Boah nee, das dauert mir zu lang.
- Flo Beese
- 20. März
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Tagen
Ein Jingle - also Intro oder Opener, nenn es wie du willst - Gemeint ist das musikalische Element zu Beginn einer Podcastepisode. Es verleiht jeder Folge Struktur, gilt als Wiedererkennungsmerkmal, macht einen professionellen Eindruck und ist ja auch - ganz nebenbei - einfach an sich eine nette Sache. Doch wie oft ist es schon vorgekommen, dass der gleiche oder ein sehr ähnlicher Musiktitel genutzt wird? Mittlerweile kann ich das an einer Hand abzählen. Das liegt wohl daran, dass sich mit der Zeit ein bestimmter Trend entwickelt hat: Viele greifen auf die gleichen Soundlibraries einiger weniger Anbieter zurück und wählen Songs, die meist einem bestimmten Genre entsprechen oder einfach so klingen, wie man es gewohnt ist.
Jetzt sei doch nicht so anti!
Das ist ledigliche eine Beobachtung, die mir in den letzten Jahren als Audioproduzent und Sounddesigner persönlich aufgefallen ist und soll keine Pauschalbeurteilung, sondern nur eine Kritik mit Augenzwinkern an den etablierten Methoden einer Podcast Produktion sein. Denn diese Abläufe und Vorgehensweisen funktionieren und außerdem sind die Soundtracks von der Stange super produziert, qualitativ hochwertig, die Auswahl ist enorm UND eine individuelle Produktion ist grundsätzlich kostenspieliger. Deswegen ist es umso wichtiger, sich etwas mehr Zeit zu nehmen, den passenden Jingle zu finden, um mit Einzigartigkeit herauszustechen. Ein Aspekt ist sicherlich auch, ob das Podcast Projekt ausschließlich für externe Zwecke oder nur intern für ein Unternehmen seine Verwendung findet.

Doch was ist mein eigentliches Problem?
Blenden wir mal aus, dass es in uns Freude weckt, wenn der Opener des wöchentlichen Lieblingspodcasts ertönt und man schon ganz gespannt wartet, bis der Host seinen Gast begrüßt. Gut. Denn mal ganz ehrlich: Was mich wirklich stört, sind diese ewig langen standartisierten Voice-Over am Anfang eines Podcasts, die teilweise bis zu einer Minute andauern, bis es mal endlich losgeht. Und selbst 15 oder 30 Sekunden können sich wie ein zäher Kaugummi anfühlen. Kein Wunder, dass der Zuhörer vorspult, um den allgemeinen und immer gleichen Ansagetext zu überspringen. Das nervt nicht nur, sondern wirft auch die Frage auf: Muss das sein?
Die Lösung bitte.
Es gibt nicht die Lösung, aber mach es doch mal anders. Klar, keine Musik oder kein Intro ist ja auch nicht die beste Option, gehört ja auch irgendwie dazu, aber warum nicht kürzer oder einfach effizienter? Warum nicht mal so:

Direkt mit der Anmoderation beginnen, überleiten zur gängigen Nennung des Podcasttitels mit Slogan (insgesamt mit einer gefühlten Länge von 3 bis 5 Sekunden), Musik ausklingen lassen und ab gehts in die Episode.

Oder: Optional sucht man ein kleines Zitat aus der Podcastepisode, das als Kernaussage den Zuhörer auf den Inhalt der Folge anteasern soll und vor die Anmoderation gepackt wird. Danach startet, entweder mit einem Fade Out oder Hard Cut der Musik, die Begrüßung des Gastes.
Also wieso noch lange auf die Folter spannen? Einfach mal dieses langwierige, sich von Episode zu Episode wiederkehrende Voice-Over weglassen und den Podcasttitel mit in die Anmoderation einbauen. Gerne mit einem Audiotrenner oder minimalistischen Soundcollage Akzente setzen und dennoch den Sprechertext mit Musik hinterlegen. Schon ist das Ganze kompakter und der Hörer ist ab Sekunde 0 bereits in der Folge drin.
Fazit
Die kreativen Möglichkeiten bei der Entwicklung und Produktion eines Jingles bzw. Intros sind grenzenlos. Hier darf auch gerne mal etwas innovativer und unkonventioneller gedacht werden. Es gibt kein Richtig oder Falsch, jedoch reicht manchmal ein einziger Ton oder ganz bestimmte Soundelemente aus, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Wichtig nur: Bitte den Hörer nicht jedes Mal mit einem einminütigem Intro langweilen, nur weil das viele andere auch so machen.